Markus Böhm beklagt heute auf Spiegel Online “den Fluch des Copy-and-paste”, des undifferenzierten Weiterleitens von allem möglichen Zeug, das ein jeder so im Internet findet.
“Bei Facebook fällt es mir schwer, zwischen ernstgemeinten Tipps und Blödsinn zu unterscheiden”, schreibt er und hat nicht ganz Unrecht. Doch sind tatsächlich die eigenen Freunde zu Spammern geworden, oder ist unser Internetverhalten Schuld an der Misere?
Denn das Problem im Hintergrund ist der Informationsüberfluss, mit dem wir uns täglich konfrontiert sehen. Überall verlangen aufpoppende Nachrichten, Bilder und Emails nach unserer Aufmerksamkeit. Wir kommen kaum noch hinterher, den nicht anhaltenden Strom von Informationen aufzuwischen. Gleichzeitig wollen immer mehr Netzwerke mit Inhalten gefüllt werden. Das senkt die Messlatte für den einzelnen Link – Hauptsache, man hat mal wieder was getwittert. “Einerseits empfehlen die Menschen einander wohl mehr Inhalte denn je, anderseits eben oft mit minimaler Mühe”, diagnostiziert Böhm.
Dabei bleibt unerwähnt, dass viele Webseiten dieses gedankenlose Teilen fördern. Twitter- und Facebook-Schalflächen gibt es zuhauf. Schnell geklickt, schicken sie wieder einen Schnipsel Informationen ins Netz. Zu den größten Produzenten von Informationsmüll zählen zudem Facebook-Anwendungen, die automatisch jede Aktion an alle Freunde hinausposaunen. Ob dem Freund X nun das Lied, das er da grade gehört hat, auch gefällt, ob er es also wirklich all seinen Freunden empfehlen würde, bleibt offen.
Warum teilen wir?
Das macht das Filtern von Informationen zeitaufwendiger und anstrengender. Ich bin hier Expertin, beschäftige ich mich doch beruflich mit dem Auffinden relevanter Informationen im Gewusel der sozialen Netzwerke. Davon zeugt schon meine Aufmerksamkeitsspanne, die inzwischen knapp über 140 Zeichen liegt. Diese Überforderung sickert allerdings auch zu den Normalnutzern durch. So viel prasselt auf uns ein, dass viele Menschen meinen, sich nur mit der getippt-gebrüllten Anweisung “Lesebefehl!” Gehör verschaffen zu können.
Dabei teilen wir Informationen eigentlicht aus guten Gründen, wie die New York Times in einer Studie herausfand. Wir wollen damit unsere Beziehungen stärken und andere Menschen unterhalten und erfreuen. Neben diesen uneigennützigen Motiven spielt auch Selbstdarstellung eine Rolle. Böhm selbst gibt zu, sich schonmal beim Teilen von Links erwischt zu haben, “die vor allem eine Qualität hatten: Sie dokumentierten, welche Kuriosa sich in den Tiefen meines RSS-Readers finden.”
Ein Aufruf zur Mülltrennung
Doch es hilft, sich wieder darauf zu besinnen, warum wir Links an unsere Freunde verschicken oder Bilder auf Facebook teilen. Außerdem lohnt es, sich an klugen Menschen ein Beispiel zu nehmen. Besonders Menschen, die sich auf einem Gebiet sehr gut auskennen, teilen nämlich oft viele interessante Inhalte zu ihrem Fachthema. Sie filtern damit vor und helfen uns anderen, uns besser zurecht zu finden.
Der zweite Schritt ist natürlich, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Dazu hat Böhm ein paar Anregungen zusammengetragen. Erste Regel: “Mehr Feingefühl wäre schön.” Die Mühe lohnt sich. Denn wer sich in sozialen Netzwerken selbst so einbringt, das andere etwas davon haben, der bekommt auch mehr zurück als jemand, der mit Informationsmüll Zeit verplempert.
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